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Das erste Mal auf einem Klettersteig

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Meine Großeltern haben schon immer beide von den Bergen geschwärmt. Früher sind sie immer zusammen nach Südtirol gefahren, dort wandern gegangen und jedes Jahr wiedergekehrt. Sie haben immer unglaublich von geschwärmt – und jetzt, wenn auch nicht Südtirol, sondern “nur” ins schöne Tirol, wollte ich mir die Alpen doch auch das erste Mal ansehen. Als wir nachts mit dem Auto durch Innsbruck gefahren sind, konnte man einige Berge nur erahnen. Am nächsten morgen dann, gab es, dank unserer Ferienwohnung mit Berglage, einen wunderschönen Ausblick über Innsbruck und die Berge drum herum. Allein durch diesen Anblick kann ich verstehen, warum meine Großeltern immer wieder gerne zurückkamen.

Nordkette Innsbruck
Das erste Mal auf einem Klettersteig

Bei mir sollte es aber (eigentlich) kein Wanderurlaub werden. Da ich jetzt nun schon seit über einem Jahr regelmäßig bouldern gehe und ebenso einen Toprope und Vorstiegskurs (Klettern) im Unisport gemacht habe, war eigentlich die nächste logische Konsequenz draußen klettern zu gehen. Grundsätzlich konnte ich mit Klettersteigen aber bisher nicht wirklich was anfangen. Als mein Freund dann voller Begeisterung eine Klettersteigtour als Geburtstagsgeschenk für einen guten Freund von uns beiden vorschlug, dachte ich mir warum nicht – kann ja nicht so schwer werden (Spoiler: Unsere Tour war schon nicht einfach).


Was braucht man also alles für die perfekte Klettersteig-Tour

Ausrüstung

  • Längere, robuste Hose – Damit man sich die Knie nicht aufschlägt.
  • Festes Schuhwerk – Hier scheiden sich die Geister. Manche gehen mit Kletterschuhen andere mit Wanderstiefeln. Auf jeden Fall sollte hier eine gute, rutschfeste Sohle dran sein.
  • Helm – Auch wenn man sich am Anfang vorkommt, als würde man zu stark ausgerüstet sein: Helm ist Pflicht. Vor allem wenn es an Steilwände geht, wo doch gerne mal ein Stein runtersaußen kann. Auch beim Zustieg sollte man schon drauf achten, ob hier ein Helm notwendig sein kann.
  • Klettersteigset – Ebenfalls Pflicht. Für den Anfang habe ich mir z. B. ein Set ausgeliehen, damit ich schauen kann, ob das ganze etwas für mich ist. Bei uns gab es das einfach im Outdoor-Laden als Option. Egal was ihr irgendwo lesen solltet: Zwei Bandschlingen und zwei Karabiner ersetzen kein Klettersteigset. Das ist gefährlich!
  • Bandschlinge + Karabiner = Rastschlinge – Wenn der Klettersteig etwas anspruchsvoller ist, ist es besser etwas für Pausen dabei zu haben. Dabei sollte die Bandschlinge nicht ganz so lang sein (z.B. 60cm) und der Karabiner muss zum Klettern freigegeben sein (mindestens 22 kN Zuglast) und euch auf jeden Fall tragen können. Hier am besten noch mal im Geschäft informieren. Die Rastschlinge ist übrigens ausschließlich zur Rast und nicht zum Klettern gedacht.
  • Klettersteighandschuhe – Man denkt im ersten Augenblick vielleicht nicht dran, aber Handschuhe sind vor allem bei längeren Touren Gold wert. Hier kann man übrigens auch auf günstige Handschuhe aus dem Baumarkt zurückgreifen, bevor man sich teure Klettersteighandschuhe zulegt.
  • Eventuell Wanderstöcke für den Zustieg – Manche Klettersteige sind je nach Region auch etwas schwerer zugänglich, sodass Wanderstöcke eine große Hilfe sein können. Wichtig dabei ist nur, dass ihr die Wanderstöcke beim Klettern dann gut verstauen könnt, ohne, dass sie euch stören.
  • Eventuell einen Rucksack – Warum eventuell? Einfach da er etwas stören kann beim Klettern. Dennoch ist er praktisch um z. B. eine Wasserflasche oder auch um ein Erste-Hilfe-Set zu verstauen.
  • Eine zusätzliche Kleidungssschicht – Das Wetter in den Bergen kann schnell umschlagen. Außerdem kommt man ins Schwitzen und sollte sich was anziehen wenn man an windigen Stellen pausiert.

Sonstiges

  • Leukotape – Ein medizinisches Tape, was für mehrere Zwecke eingesetzt werden kann. Vor allem bei Blasen oder aufgeriebenen Stellen an der Hand ist es superpraktisch, da man es einfach zurecht reißen kann und es bombig an der Hand sitzt. Das Tape gibt es in der Shop Apotheke. Ich selber habe mir eine Blase gerieben und mein Knie verletzt und bin am nächsten Tag bouldern gegangen. Da hätte ein normales Pflaster nicht halten können.
  • Erste-Hilfe-Set – Das bekommt ihr ebenfalls in der Apotheke und ist Pflicht, wenn ihr auf den Klettersteig gehen wollt.
  • Gute Vorbereitung – Ist das A und O und superwichtig bei Klettersteig. Dazu mehr in der Routenplanung:

Routenplanung

  • Passt das Wetter / Schnee? Für unseren ersten Klettersteig haben wir uns auf Anfang/Mitte Juni mit einem Termin geeinigt, da es da bestimmt schönes Wetter ist und alle Routen offen sind. Denkt man! Leider waren bei uns die meisten Routen in der höheren Lagen noch gesperrt, da einfach zu viel Schnee lag. Daher sollte man je nach Region schauen, ob noch Schnee auf den Bergen liegt.
  • Wie viel Zustieg und Abstieg ist bei der Route dabei? Auch das haben wir zu Beginn unterschätzt. Denn der Aufstieg allein kann schon anstrengend sein und dabei auch einiges an Zeit klauen. Daher: Vorher immer schauen, wie lang man für den Auf- und Abstieg benötigt und wie anstrengend dieser vor dem Klettersteig sein könnte. (Hier als Tipp und unbezahlte Werbung: Bergsteigen.com für Zeiten und GPX Track)
  • Gibt es eine Stelle wo ich für den Notfall aussteigen kann und wenn ja wo? Wenn man sich die Route anschaut, sollte man schauen ob es offizielle (!) Ausstiege aus der Route gibt. Schließlich kann einfach an einem Tag die Kondition schlecht sein oder man hat mal plötzlich mit dem Kreislauf zu kämpfen. Vorher am besten einfach informieren.
  • Welchen Schwierigkeitsgrad hat die Route? Für eine Anfängerroute, würde ich eine A, A/B oder allerhöchsten B-Route empfehlen. So kann man sich bei Unsicherheiten erst mal an das Steigen gewöhnen und man merkt, ob man bereit für eine schwierigere Route ist oder eben nicht. Kategorie A ist  hier demnach die einfachste und E die schwerste Route, die man gehen kann.
  • Plan B dabei haben. Wie oben schon erwähnt: Plan B und Spontanität sind vor allem in Hinblick auf das Wetter wichtig. Somit sollte man bei Schnee eventuell eine Route in tieferer Lage auf Vorrat halten oder gar einen Wandertag machen, falls es doch zu sehr regnet man aber trotzdem den Tag nicht vergeuden will. Wir sind z. B. nach Innsbruck in die Kletterhalle gefahren.
  • Partnercheck (SONST PARTNER WEG!) Den Spruch kenn ich schon aus der Kletterhalle. Einfach noch mal gegenseitig schauen, ob alles sitzt und stimmt.

Tipps für den Steig

Ansonsten kann es nun endlich losgehen! Ein bisschen Vorbereitung muss sein, aber der Spaß soll natürlich auch nicht fehlen. Damit es auch allen Beteiligten Spaß macht, hier noch ein paar Tipps, wie man am besten auf dem Steig agiert. Dazu muss ich sagen, dass es die absoluten Grundlagen sind. Auch wenn es einen bei einfachen Klettersteigen erstmal sinnlos oder unwichtig vorkommt, spätestens bei C-Klettersteigen werden diese einfach essenziell, sonst kann es gefährlich werden:

  • Sicherheitsabstand einhalten: In der Horizontalen sollte immer nur ein Kletterer in einer Passage gesichert sein. In der Vertikalen besser sogar noch zwei Passagen frei lassen, damit beim Fall kein Domino-Effekt eintritt.
  • Richtig überholen: Wenn man selber überholt, sollte man in jeden Fall mit der Person sprechen und sich einen sicheren Punkt ausmachen. Dann vorsichtig an der Person vorbei und immer mit einem Karabiner gesichert sein.
  • Taktische Pausen einlegen: Da man sich in jeden Fall die Route vorher angesehen und eingeprägt haben sollte, kann man sich schon vorher überlegen, wo man am besten eine Pause einlegen sollte. Falls man sie nicht braucht, kann man sie natürlich auch überspringen, aber bei schwierigen Passagen ist es eh immer ratsam.
  • Was ist wenn ich stürze? Oberstes Gebot auf dem Klettersteig: Man soll nicht stürzen! Einfach aus dem Grund, da die Bandfalldämpfer einen zwar halten (der Sturz ist dennoch nicht angenehm) aber dann kaputt sind und man nicht weiterklettern kann. Demnach müsste man die Bergrettung informieren, damit man gesichert wieder auf den Boden ankommt. Da das aber niemand möchte, sollte man einfach in jedem Fall gut vorbereitet sein und seine Fähigkeiten gut einschätzen können.

Was ihr aber auf keine Fall vergessen dürft: Meine Tipps resultieren aus meiner persönlichen Erfahrung und Meinung. Wenn ihr euch unwohl fühlt oder nicht genug ausgerüstet oder auch informiert, dann besucht am besten einen Klettersteig-Kurs für den Anfang. Hier wird alles noch mal genau erklärt, sodass man dann sicher auf den Steig gehen kann.

Das erste Mal auf einem Klettersteig

Und wie war mein erstes mal Klettersteig nun?

So ging es Anfang Juni nach Innsbruck. Wie schon erwähnt hat das Wetter zwar mitgespielt, jedoch lag in den oberen Regionen einfach noch zu viel Schnee. Somit sind wir einen Klettersteig weiter unten angegangen, der jedoch schon einen höheren Schwierigkeitsgrad hat. Wer noch gar keine Klettererfahrung hat, dem würde ich es wirklich nicht empfehlen – lieber erst einmal einen A/B oder B Klettersteig ausprobieren, bevor man weiter geht. Denn man darf nicht vergessen: Wenn man einmal angefangen habt, gibt es kein Zurück – nur eventuell einen Ausstieg.

Für mich persönlich war es aber auf jeden Fall super aufregend und spannend. Das Gefühl, wenn man wieder eine schwierige Passage gemeistert hat, ist wirklich aufregend und zum Schluss ist man natürlich stolz wie sonst nie. Also ich zu mindestens :D. Mit der Höhenangst hatte ich tatsächlich gar keine Probleme, ich wusste ja, dass ich für den schlimmsten Fall gesichert bin. Meine Angst lag eher darin, dass ich doof abrutsche und man mich vom Berg abholen muss – ist glücklicherweise nicht passiert. Danach hatte ich übrigens einen Muskelkater wie lange nicht mehr. Einerseits in den Armen und in den Oberschenkeln – das kommt eben davon, wenn man sich doch ein bisschen übernimmt für den ersten Klettersteig. Aber ich hab draus gelernt und hoffe, dass euch meine Tipps dadurch etwas weiter helfen! Meine nächste Klettersteig-Tour steht nämlich schon fest!

Seid ihr den schon mal auf einem Klettersteig gewesen und wenn ja, welchen seid ihr gegangen? Ich freu mich auf jeden Fall über Empfehlungen, denn es war sicher nicht mein letzter Steig!

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